Ich male um mein Leben

Kunst gegen Missbrauch – Julius Wolf

Julius Wolf ist Betroffener von sexualisierter Gewalt in der Kindheit, Künstler, Sozialarbeiter und Fachberater bei sexualisierter Gewalt in Kindheit Jugend in der Fachberatungsstelle faX in Kassel sowie Referent. Er trägt zu der Ausstellung „Kunst gegen Missbrauch“ die Sicht und das Erleben eines Betroffenen bei.

Durch die doppelte Expertise von Fachperson und reflektierter Betroffenheit bringt Julius Wolf ein hohes Maß an Reflektion und tiefen Einblicken in das Themenfeld und die menschlichen Dynamiken mit, die sich in seinen Bildern und Texten wiederfinden. Im beruflichen Alltag berät Julius Wolf erwachsene Betroffene sowie Fachpersonen und Angehörige. Große Teile seiner Arbeit nimmt die Weiterbildung von Fachkräften ein. Seine künstlerischen Bilder sowie persönliche Texte fließen in diese Arbeit mit ein.

Die im Verarbeitungsprozess entstandenen Bilder bezeichnet Julius Wolf als Zeugen seines Aufarbeitungsprozesses und der erlebten sexualisierten Gewalt. Was kaum Sprache hatte, wurde sichtbar und damit im zweiten Schritt sprechbar. Das Werk ist geprägt von dem Ausdruck von Gefühlen jeglicher Art, des Verarbeitens des Traumas, dem Sichtbarwerden von Schmerz und Ohnmacht und des Selbst-Erkundens in das Dunkle des eigenen Seins, ebenso wie die hellen Seiten des Lebens. Elemente von Linien, Netzwerken, Splittern, Brüchen, sowie schemenhaften Figuren tauchen in Bildern immer wieder auf. Die Farben rot und schwarz bringen Schmerz, Gewalt, Ohnmacht, Unaussprechliches oder Verborgenes zum Ausdruck. Blau, gelb, türkis und weiß stehen eher für Helligkeit, Zuversicht, Hoffnung und Neubeginn.  Die Splitter und Brüche verdeutlichen zum einen das Verarbeiten und Bewältigen über Dissoziationen in der Vergangenheit, dabei lässt der Prozess des Malens die Splitter und Fragmente wieder zu einem Ganzen werden. Zum anderen wird damit die Gewalt der Täter und Täterinnen symbolisiert.  

Das Bild in der Ausstellung „Kunst gegen Missbrauch“ mit dem Titel „Ein langer Weg“ ist eine Komposition aus vielfältigen Elementen vergangener Bilder. Ein langer Weg von der erlebten sexualisierten Gewalt hin zum er-wachsenen Menschen mit einer Betroffenheit.

Kontakt mit Julius Wolf aufnehmen